Manche Diskussionen erwecken in mir den Eindruck, das die Grundpfeiler einer BDSM-geprägten Beziehung genauso mythisch verklärt werden wie die Säulen des Herakles durch Homer: sind sie das Ende der Welt und damit des eigenen Horizonts oder doch dessen Anfang?
Was ist denn die Basis einer Beziehung - ob mit oder ohne BDSM neben den Gefühlen, die beide verbinden? Gehören nicht Respekt, Achtung und Vertrauen zu jeder zwischenmenschlichen Begegnung? Warum glauben wir, dass diese Eigenschaften von uns gepachtet wären? Sicher, Gehorsam und Disziplin mögen im Vergleich zu "Vanilla-Beziehungen" stärker ausgeprägt sein, aber diese Eigenschaften und Verhaltensweisen sind meiner Meinung nach im Leben eines jeden Menschen hilfreich, wenn nicht sogar nötig.
Tugenden wie Toleranz und Geduld werden im Zusammenhang mit BDSM leider viel zu selten genannt, obwohl sie in meinen Augen genauso zu unserem Menschsein gehören. Und die schier endlos breitgetretene Empathie fängt dann an zu wanken, wenn Top einen schlechten Tag hat und möglicherweise im Zorn oder im Frust eine Session beginnt. Sollte Top dies tun oder soviel Selbstdisziplin beweisen und es lassen? Sollte Bottom empathisch reagieren und ihn/sie lassen, weil Top es gerade braucht? Wie weit lässt sich dabei Gehorsam dehnen? Kann hier ein Nein zu Ungehorsam werden? Für mich ist dies eine Gradwanderung, ein Tanz auf dem Vulkan. Ich gebe zu, ich würde es begrüßen, wenn er seinen Frust so kanalisieren kann, dass er ihn "an mir" abbauen kann. Ob und wie ich ihm dabei eine Grenze setzen werde, muss ich dann wohl situativ entscheiden - auch wenn es seine Dominanz begrenzt und meine Devotion aushebelt.
Was passiert, wenn Top und Bottom unterschiedlicher Meinung sind? Gibt es so etwas wie Streit überhaupt in einer BDSM-Beziehung? Oder gehört zum Gehorsam auch die Tatsache, dass Top immer das letzte Wort hat? Ich gebe zu, für mich ist das eine sehr theoretische Frage, denn ich bin nicht 24/7 im Sub-Modus. Wenn ich mir sicher bin, dass ich die besseren Argumente habe, bringe ich sie auch an. Und zu meinem Glück hat mein Herr auch den Verstand, dies anzuerkennen.
Ein ganz anderes, aber nicht minder spannendes Thema ist die Frage, wie mache ich meinen Hund (Canis lupus familiaris) mit den "Nebeneffekten" des BDSM vertraut (Stöhnen, Schreien, etc.)? Was mache ich dann mit einer Katze (Felis catus)? Oder gar mit anderen Haustieren wie Kaninchen, Hamstern, Vögeln? Was passiert, wenn der Papagei die Geräusche vor den Verwandten beim Sonntagskaffee nachmacht? Ich merke gerade, mein Kopfkino läuft auf Hochtouren.
